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Bericht DAAD-Alumni-Workshop Charkiv 18.04.2005 "Das Brain-Drain-Problem: Bestandsaufnahme und mögliche Lösungswege"

Am 18. April fand in der Nationalen Karasin-Universität Charkiv ein Workshop mit ehemaligen Stipendiaten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der Alexander von Humboldt-Stiftung und des Goethe-Instituts statt. Rund vierzig ukrainische Wissenschaftler und Hochschullehrer aus Charkiv, Poltava und Sumy waren der Einladung des DAAD-Büros Kiew und der Deutschen Botschaft Kiew gefolgt und diskutierten eifrig die Frage, ob die Ukraine unter einer Abwanderung qualifizierter Akademiker (dem sogenannten Brain-Drain-Problem) leide und wie dieser Abwanderung entgegengesteuert werden könne.

Zunächst berichtete der deutsche Referent Dr. Martin Wolburg von der Brain-Drain-Situation in Deutschland, denn erst in den letzten Jahren ist in Deutschland das Bewusstsein für die Brain-Drain-Problematik gewachsen, und Bundesregierung und Hochschulen haben begonnen, geeignete Gegenmaßnahmen zu unternehmen. Viele junge deutsche Hochqualifizierte halten die akademischen Karrierechancen und die Forschungsmöglichkeiten in Amerika für besser als in Deutschland, jeder siebte deutsche Promovierte wandert in die USA aus (davon 30 Prozent auf Dauer), drei von vier Nobelpreisträgern deutscher Herkunft arbeiten in den USA. Derzeit arbeiten 7.200 Promovierte und 69.800 Graduierte Deutsche in den USA. Hiergegen unternimmt Deutschland Schritte, um die Attraktivität der Rückkehr und des Bleibens in Deutschland zu erhöhen: Junge Promovierte können als sogenannte Junior-Professoren früher selbständig forschen und lehren, die Professorenbesoldung wird überführt in ein leistungsgerechtes Besoldungsmodell, Netzwerke insbesondere des DAAD, der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) versorgen deutsche Auslandswissenschaftler mit Informationen und stärken so die Rückkehrbereitschaft.

Frau Dr. Iryna Vavylova hat im Anschluss die Brain-Drain-Situation in der Ukraine beleuchtet. Die Auswanderungswelle qualifizierter Ukrainer hatte im Zeitraum 1994-1996 ihren Höhepunkt seit der Unabhängigkeit der Ukraine erreicht. Insbesondere Mathematiker, Festkörperphysiker, Halbleitertechniker, Kernphysiker, aber auch Mediziner verlassen ihre Heimat, vorzugsweise in Richtung USA, aber auch nach Deutschland. Grundsätzlich seien – so offizielle Angaben – rund siebzig Prozent der ausgewanderten Akademiker rückkehrbereit, wenn nur bessere Arbeitsbedingungen, speziell eine bessere finanzielle Ausstattung, geschaffen würden.

Im Zentrum des DAAD-Alumni-Workshops standen aber die Diskussionen der Alumni untereinander. In drei Arbeitsgruppen – Gruppe 1: Technikwissenschaften, Naturwissenschaften, Gruppe 2: Wirtschaftswissenschaften, Gruppe 3: Philologien) – wurden die Referate diskutiert und mit der jeweiligen Situation an der eigenen Hochschule verglichen. Grundsätzlich wurde hierbei unterstrichen, dass akademischer Austausch nowendig zur Entwicklung von Wissenschaft und Forschung sei und dass Freiheit der Forschung zugleich auch Freiheit des Ortes bedeute, also auch Ländergrenzen überschreite. Allerdings sei zu beklagen, dass der deutsch-ukrainische akademische Austausch außerordentlich asymmetrisch verlaufe, das heißt zu wenige deutsche Wissenschaftler den Weg in die Ukraine fänden.

In der Diskussion wurde an die Vorträge der Referenten angeknüpft: Ein Charkiver Mathematikdozent etwa schlug vor, dass die Rückkehrbedingungen für ukrainische Wissenschaftler, die im Ausland arbeiten, verbessert werden könnten. Dringend notwendig wäre beispielweise ein vereinfachtes Verfahren, das es ukrainischen Hochschulen erlaube, einen etwa in den USA erworbenen PhD-Abschluss eines ukrainischen Wissenschaftlers anzuerkennen. Auch wurde die Frage aufgeworfen, ob westliche Stipendienanbieter die Stipendienvergabe nicht mit einer Rückkehrauflage verbinden sollten, oder ob – wie es bei DAAD-Stipendien der Fall ist – in die individuelle Entscheidungsfreiheit eines Stipendiaten nicht eingegriffen werden solle. Positiv hervorgehoben wurde der Anti-Brain-Drain-Effekt des DAAD-Pogramms „Leonhard Euler“, das Stipendiaten (zum Beispiel ingenieurwissenschaftliche Doktoranden) in ihrer Heimat unterstützt; nur ein kleiner Teil der Stipendienlaufzeit wird an der deutschen Partneruniversität verbracht. Empfohlen wurde der ukrainischen und der deutschen Politik auch, den Kontakt zu ausgereisten ukrainischen Wissenschaftlern besser zu pflegen und diese womöglich mit Informationen über Entwicklungen im ukrainischen Hochschulwesen zu versorgen.

Für die DAAD-Arbeit in der Ukraine war der Workshop ein voller Erfolg: Nicht nur wurde ein brisantes akademisches Rahmenthema aufgenommen, auch der Kontakt der Alumni untereinander konnte gestärkt werden. Das DAAD-Büro und die Deutsche Botschaft beabsichtigen daher, auch in Zukunft lokale Alumni-Veranstaltungen in der Ukraine durchzuführen und so das Alumni-Netzwerk zu festigen.

Eröffnung des DAAD-Alumni Workshops durch den deutschen Kulturreferenten Arno Kirchhof
Eröffnung des DAAD-Alumni Workshops durch den deutschen Kulturreferenten Arno Kirchhof
DAAD-Alumnus berichtet vor seiner Arbeitsgruppe
DAAD-Alumnus berichtet vor seiner Arbeitsgruppe
DAAD-Büroleiter Dr. Martin Sandhop moderiert eine Arbeitsgruppe
DAAD-Büroleiter Dr. Martin Sandhop moderiert eine Arbeitsgruppe
Eine DAAD-Alumna aus Charkiw
Eine DAAD-Alumna aus Charkiw
Beim Empfang
Beim Empfang
Dr. Martin Wolburg (2. v.l., deutscher Referent) mit Alumni
Dr. Martin Wolburg (2. v.l., deutscher Referent) mit Alumni
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